25.01.2026
Anlässlich des internationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar (an dem Tag im Jahr 1945 wurde das KZ Auschwitz von der Roten Armee befreit) lud die "International School for Holocaust Studies" Yad Vashem, mit der die Stormarnschule seit 2020 eine Partnerschaft unterhält, zu einer Online-Veranstaltung am vergangenen Freitag ein.
Die Veranstaltung, an der alle 10. Klassen und der gesamte Q1-Jahrgang teilnahmen, setzte einen thematischen Schwerpunkt auf Frauen im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Nach einer kurzen thematischen Einführung durch den Berliner Historiker Dr. Steffen Hänschen folgten Interviews und Dokumentarfilmausschnitte mit der jüdisch-litauischen Partisanin Fania Brantsovskaya, die zusammen mit anderen jüdischen Partisanen ab 1941 in den Wäldern um Vilnius gegen die Nazis kämpfte und 2024 verstorben ist. Die Besetzung des Baltikums durch die deutsche Wehrmacht und die enge Kollaboration der baltischen Bevölkerung mit den deutschen Besatzern sowie die reiche jüdische Geschichte des Baltikums war für die Schülerinnen und Schüler völlig neu. Vilnius, auch bekannt als "Jerusalem des Nordens", war über Jahrhunderte ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit, Kultur und Literatur und prägte mit über 100 Synagogen und einer jüdischen Bevölkerung von bis zu 40 Prozent das osteuropäische Judentum entscheidend.
Interessant war für die Zuhörenden auch, dass das Jiddisch von Fania Brantsovskaya sehr gut zu verstehen war. Viele Schülerinnen und Schüler hatten von der Sprache, die in Europa weitgehend ausgestorben ist und nur noch in kleinen orthodoxen jüdischen Gemeinschaften in Israel und Amerika praktiziert wird, noch nie etwas gehört. Die im Mittelalter im süd- und westdeutschen Sprachraum entstandene Sprache der aschkenasischen Juden kam ab dem 14. Jahrhundert nach Osteuropa, als hunderttausende Juden im Zuge der Pest-Epidemie, für die man vielerorts die jüdische Minderheit verantwortlich machte, Pogromen ausgesetzt waren und ihre Heimat in Richtung Osten verlassen mussten.
Es war eine sehr gelungene Veranstaltung zu einem sehr interessanten und bisher wenig beleuchtetem Thema.
Dr. Alexander Muschik für die Fachschaft Geschichte